Input & Vorträge

Prof. Dr. Richard Stang begrüßt Gäste und Mitwirkende der Konferenz und lädt zu einem Begrüßungstalk ein. Er wünscht allen eine spannende und interessante Konferenz und betont die Relevanz der Thematik. Hierbei sieht er die Beantwortung der Frage nach der Umsetzung einer Studierendenorientierung an Hochschulen als besonders drängend an.

Prof. Dr. Richard Stang begrüßt Gäste und Teilnehmer; Quelle S.Dutz

Es folgte der Begrüßungstalk, der von Prof. Dr. Richard Stang moderiert wurde.

 

Hier wurden schon vielfältige Erwartungen an die Ergebnisse der Workshops und das hohe Interesse an den Input-Beiträgen deutlich. 

An dem Begrüßungstalk nahmen teil (v.l.n.r.):

Prof. Dr. Frank Ziegele (CHE – Centrum für Hochschulentwicklung),

Manfred Weigler (Dieter Schwarz Stiftung),

Prof. Dr. Richard Stang (Hochschule der Medien, Projekt Lernwelt Hochschule),

Bettina Jorzik (Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft),

Oliver Janoschka (Hochschulforum Digitalisierung) und

Dr. Bernd Vogel (HIS Institut für Hochschulentwicklung).

Im Begrüßungstalk werden Erwartungen und das hohe Interesse deutlich; Quelle: S. Dutz

Anschließend fächerte Dirk Meinunger vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem ersten Plenumsvortrag die zukünftigen Herausforderungen für Hochschulen auf. Für ihn stehen die  Hochschulen unter anderem vor den Herausforderungen, spezifische Digitalisierungsstrategien zu entwickeln sowie in Zukunft verstärkt zu kooperieren. Auf gesellschaftliche Anforderungen sollten die Hochschulen schneller reagieren. Er hob auch nochmals hervor, dass die Einbindung von Studierenden in die Konferenz besonders zu würdigen sei, da dies sonst kaum in solchen Kontexten geschehe.

Dirk Meinunger (Bundesministerium für Bildung und Forschung); Quelle: S. Dutz

An diesen Beitrag schloss sich die Präsentation der ersten Ergebnisse des Forschungsprojektes „Lernwelt Hochschule“ an. 

Zunächst stellte Alexandra Becker die Rahmung des Forschungsprojektes vor und präsentierte erste Ergebnisse der Online-Befragung und zentrale Erkenntnisse der Untersuchung.

Alexandra Becker stellt die Zielsetzung des Projektes "Lernwelt Hochschule" vor; Quelle:S.Dutz

Das Projekt „Lernwelt Hochschule“ will in einem ersten Schritt einen systematisierten und strukturierten Überblick über den IST-Zustand der Lernwelt Hochschule in Deutschland erarbeiten. Der Zugang ist dabei von einer studierendenzentrierten Perspektive aus gewählt worden, da diese von dem „Shift from Teaching to Learning“, der Digitalisierung, der Globalisierung sowie der Hinwendung zur kompetenzorientierten Lehre unmittelbar betroffen ist. Ein Ziel dieses Projekts ist es, Lösungsmöglichkeiten, Good-Practice, aber auch Bedarfe aufzuzeigen, um eine studierendenorientierte Hochschule gestalten zu können, die den veränderten Bedürfnissen der Studierenden, aber auch des Arbeitsmarktes und der Gesellschaft gerecht wird.

 

Die Rahmenbedingungen der Lernwelt Hochschule in Deutschlands sind komplex. Hier spielen die Föderalität, die Verwaltungsreform, die Vielfalt der Hochschularten, die Autonomie der Hochschulen und nicht zuletzt die Bologna-Reform hinein.

Das Projekt ist multimethodisch aufgebaut. Es wurden alle Hochschulen Deutschlands eingeladen, an einer Online-Befragung teilzunehmen, um die Wahrnehmung der Hochschulen zu erfahren, Interviews mit den Hochschulakteuren und -Akteurinnen durchgeführt, um die Wahrnehmung der „Machenden“ zu erfassen, Fallstudien mit den Studierenden durchgeführt, um deren Perspektive zu erhalten, und Experten-Interviews durchgeführt, um die Meta-Ebene betrachten zu können. Zusätzlich wurde eine Dokumentenanalyse (Landeshochschulgesetze, Entwicklungs- und Strukturpläne, Zielvereinbarungen) durchgeführt. Dies soll zu einem umfassenden „Big-Picture“ der Lernwelt Hochschule in Deutschland führen.

 

 

Präsentation von Alexandra Becker:

 

Erste, zentrale Erkenntnisse der Online-Befragung sind:

  • Die Hochschulen haben die Veränderungsbedarfe erkannt und sind in den untersuchten Dimensionen (Organisation, Hochschuldidaktik, physische Lehr- und Lernräume sowie digitale Strukturen) auf dem Weg.
  • Die Einbindung von Studierenden findet nur in geringem Ausmaß statt. Hier ist Innovation gefragt.
  • Kooperationen zur Entwicklung der Lehre beruhen zumeist auf individuellen Absprachen. Hier besteht die Gefahr, dass Wissen, Ressourcen und Kapazität verloren gehen.
  • Lang bestehende Strukturen werden selten hinterfragt. So werden z.B. tradierte Öffnungszeiten oder Sonderstellungen innerhalb der Hochschule(n) kaum hinterfragt oder den aktuellen Bedürfnissen angepasst.
  • Die aktuellen Bedarfe finden sich nur in geringem Maße in den Gesetzgebungen wieder.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in nur geringem Maße Gesamtstrategien für die gesamte Hochschule erkennbar sind – die Dimensionen/Bereiche werden meist isoliert betrachtet. Innerhalb dieser Bereiche wird jedoch individuell nach Lösungen gesucht und Ideen werden erprobt.

Daran anschließend stellte Florian Aschinger erste Ergebnisse der Auswertung der Leitfadeninterviews mit Hochschulakteuren vor.

Die Zielsetzung dieser Interviews war es, insbesondere Herausforderungen im Bereich der Lernweltgestaltung sowie Good Practice-Beispiele zu erfassen. Hierzu wurden insgesamt 40 Gespräche mit Hochschulleitungen, Bibliotheksleitungen sowie Leitungen der Infrastruktur- und IT-Abteilung an 35 Hochschulen geführt.

Präsentation von Florian Aschinger:

Florian Aschinger stellt die bisherigen qualitativen Erkenntnisse vor; Quelle:S.Dutz

Im Rahmen der ersten inhaltlichen Analyse zeigte sich, dass die kooperative Entwicklung der Lernwelt Hochschule, insbesondere der stärkere Einbezug von Studierenden, eine zentrale Herausforderung darstellt. Einige Hochschulen initiieren hierzu beispielsweise Ideenwettbewerbe, um gemeinsam mit Studierenden die Hochschule lernendenzentriert zu gestalten. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Flexibilisierung des Studiums (z.B. Lockerung der Studiengangsstrukturen), um den Bedürfnissen der heterogenen Studierendenschaft besser gerecht zu werden. Außerdem bedarf es einer flexiblen Gestaltung physischer Lernräume, um eine bedarfsgerechte Nutzung der Räumlichkeiten, je nach Studiumsphase, zu ermöglichen. Und schließlich gibt es bei der Einführung oder Weiterentwicklung digitaler Strukturen sowohl technische als auch didaktische Herausforderungen, wie die Implementierung eines Campus Management Systems oder die nutzerfreundliche Gestaltung von E-Learning-Plattformen.

 

Die Interviews beinhalten eine Vielfalt an Strategien und Lösungsansätzen, welche im weiteren Verlaufe des Projekts noch detaillierter untersucht und dann zusammen mit den Ergebnissen der anderen Erhebungen veröffentlicht werden.

Der erste Tag wurde mit einer Diskussion über Chancen und Herausforderungen beschlossen, an der Alexa Böckel (Leuphana Universität Lüneburg; Digitale Changemaker), Oliver Janoschka (Hochschulforum Digitalisierung), Bettina Jorzik (Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft), Marcus Lamprecht (Universität Duisburg-Essen / fzs; Digitale Changemaker), Dr. Bernd Vogel (HIS Institut für Hochschulentwicklung) und Prof. Dr. Frank Ziegele (CHE – Centrum für Hochschulentwicklung) teilnahmen.

Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Katharina Fuß (Journalistin).

Diskussionen der Chancen und Herausforderungen der Lernwelt Hochschule; Quelle: S. Dutz

Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass es auf dem Weg zu einer studierendenorientierten Hochschule sowohl zu Veränderungen in der Organisation der Hochschulen kommen muss als auch neue Konzepte entwickelt werden sollten, wie Studierende stärker in die Entwicklung der Hochschulen jenseits von Gremien eingebunden werden könnten. Auch die räumliche Gestaltung von Hochschulen bedarf veränderter Perspektiven. Eine kompetenzorientierte Lehre lässt sich nur bedingt in Hörsälen realisieren. Vielmehr müssen flexible Lehr-/Lernraumarrangements Optionen für z.B. projektorientiertes Lernen zur Verfügung stellen. Um diese Veränderungen auf die Bahn zu bringen, sollte die Kommunikation der verschiedenen Akteurs/innen-Gruppen miteinander intensiviert werden. Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion machten deutlich, dass hier einiges auf dem Weg ist. Allerdings merkten die Studierenden an, dass die Dynamik noch zu wünschen übrig ließe und hier ein neues Denken in den Hochschulen Einzug halten müsste. 

Am zweiten Tag der Konferenz eröffnete Prof. Dr. Reinhold R. Geilsdörfer den Input-Teil mit der Perspektive der Dieter-Schwarz Stiftung, die der Gastgeber und Förderer der Konferenz war.

Als besonderes Projekt hob er den Bildungscampus hervor, auf dem Räumlichkeiten für vier Hochschulen und weitere Institute entstanden sind. Die Besonderheiten und die daraus resultierenden Herausforderungen machen deutlich, dass es kein einfaches Unterfangen ist, verschiedene Hochschultypen an einem Standort mit ihren Aktivitäten zu verknüpfen. Im Bildungscampus gelingt dieses Experiment bislang allerdings gut, wie sich bei der gemeinsamen Bibliothek zeigt.

Prof. Dr. Reinhold R. Geilsdörfer stellt den Bildungscampus vor; Quelle: S. Dutz

Präsentation von Prof. Dr. Reinhold R. Geilsdörfer:

Im Anschluss daran zeigte Henning Rickelt von der Hochschule Heilbronn die Besonderheiten der Bibliothek des Bildungscampus auf. Dass sich die unterschiedlichen Hochschulen, die auf dem Bildungscampus beheimatet sind, eine gemeinsame Bibliothek teilen, ist keine Selbstverständlichkeit. Anhand der Planungen des Baus, der im Herbst 2019 fertig gestellt sein soll, zeigte er die Möglichkeiten einer hybriden Lern- und Arbeitswelt im Rahmen einer Bibliothek auf.

Präsentation von Henning Rickelt:

Im Fokus der Planungen stand eine zur Nutzenden- und Kompetenzorientierung, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Henning Rickelt zeigt Herausforderungen für Bibliotheken auf; Quelle:S.Dutz

Bevor die „Perspektive Praxis“-Workshops am zweiten Konferenztag begannen, fassten (v.l.n.r) Alexandra Becker, Florian Aschinger, Prof. Dr. Richard Stang, Laura Kobsch und Hannes Weichert die Workshopergebnisse des ersten Tages zusammen. So wurde in einem Workshop kontrovers diskutiert: Ist es ein ‚Armutszeugnis‘ für die Hochschulen, dass Studierende nicht mehr Zeit an den Hochschulen verbringen? Oder sollten Hochschulen nicht eher froh sein, dass immerhin ca. 1/3 der Studierenden kommen und die Raumnot nicht verschärft wird? Die Lernwelt Hochschule könnte und sollte noch mehr zur „Lebenswelt“ der Studierenden werden, indem durch eine vielfältigere und flexiblere räumliche Gestaltung der Lernort Hochschule attraktiver wird und auch nicht direkt studienbezogene Aktivitäten ermöglicht werden.

 

Summary der Workshopergebnisse vom Vortag; Quelle:S.Dutz

Festzuhalten ist auch, dass sich Studierende im Bereich Digitalisierung vor Allem „einfach gute Lehre“ wünschen – Digitalisierung dürfe nicht zu einem Selbstzweck werden, und dass das große Schlagwort Digitalisierung sowohl in den Begrifflichkeiten als auch in den Einzelfragen viele Herausforderungen birgt.

 

Im Bereich Hochschulorganisation wird angeführt, dass von einer Stärkung der Hochschuldidaktik innerhalb einer strategischen Ausrichtung alle Beteiligten profitieren. Auch in der Optimierung der Kooperation zwischen Unterstützungsprozessen wie Bibliothek oder IT-Diensten und der Lehre wird eine wesentliche Aufgabe der Strategieplanung gesehen. Insgesamt wie im Speziellen sind unter dem Gesichtspunkt der Studierendenorientierung umfassende, ganzheitliche und integrative Ansätze der Gesamtstrategie an Hochschulen anzustreben.

 

Nach den Workshops am Freitag brachte Dr. Sybille Reichert eine internationale Perspektive ein. Sie zeigte auf, was im europäischen Ausland unternommen wird, um gute Lehre anzubieten.

Dr. Sybille Reichert zeigt die internationale Perspektive der Lernwelt Hochschule; Quelle:S.Dutz

Dabei wurde deutlich, dass projektorientiertes Lehren und Lernen in zunehmendem Maße traditionelle Lehrformen ablöse. Auch intensivierten Hochschulen in vielen Ländern die Zusammenarbeit mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen „Außenwelt“. 

Präsentation von Dr. Sybille Reichert:

 Hochschulen werden dabei zu zentralen Akteurinnen der Gestaltung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Zukunft.